| Im Jahr 1989, kurz nachdem die Sowjets Afghanistan verlassen hatten, beschloss das damalige Deutsch-Afghanische Komitee (DAK), mit finanzieller Hilfe der Europäischen Union in Chak-e-Wardak, ca. 65 km südwestlich von Kabul, ein Krankenhaus zu errichten. Das DAK hatte schon während der sowjetischen Besatzungszeit medizinische Einsätze in der Region durchgeführt und dabei den Platz in Chak in unmittelbarer Nähe (und im Schutz) des von SIEMENS in der Zeit von 1938 – 42 gebauten Wasserkraftwerkes ausgesucht. Das Kraftwerk war während des ganzen Befreiungskrieges nie angegriffen worden, es bot somit offensichtlich guten Schutz vor militärischen Aktionen. Die Wahl erwies sich tatsächlich als gut, denn seit 1989 ist es in Chak friedlich - geblieben. Wasser im Überfluss und das gute Hochlandklima (2400m Höhe!) trugen zusätzlich zur guten Standortwahl bei.
Karla Schefter, ehemalige leitende OPSchwester der städtischen Kliniken in Dortmund, die bereits vorher für das DAK in Sadda und Khost gearbeitet hatte, bekam den Auftrag, zusammen mit zwei Ärzten nach Chak zu fahren und dort mit der Arbeit als leitende Schwester und Ausbilderin zu beginnen. Zunächst richtete man zwei Räume im Kraftwerk provisorisch als Klinik ein, wo mit äußerst primitiven Mitteln gearbeitet und sogar operiert wurde, allerdings nur ambulant. Im Juli 89 war der endgültige Bauplatz festgelegt und nachdem sowohl der Gemeinderat (die Shura) zugestimmt als auch die EU die endgültige Finanzierungszusage gegeben hatte, konnte der Bau des ersten Gebäudes beginnen. Durch vielerlei Hindernisse, organisatorische Streitigkeiten und auch Korruption wurde die Fertigstellung immer weiter verzögert und erst am 26. Juni 1991 wurde das Gebäude bezogen, ein Anlass zu einem großen Fest. Schon in diesen ersten beiden Jahren kam Karla Schefter im Winter nach Deutschland, wo sie die Zeit nutzte, um Geld für das Hospital zu sammeln.
Da ihr Vertrag mit dem DAK im Dezember 1991 ausgelaufen war, bewarb sie sich beim Deutschen Entwicklungsdienst und wurde im Januar 1992 gebeten, wieder nach Chak zu gehen, jedoch diesmal nicht als leitende Schwester sondern als Projektleiterin. So fand sie sich ziemlich unverhofft wieder in ihrem geliebten Afghanistan, und am selben Ort! Doch nicht für lange: Im Dezember 1992 wurde das noch nicht fertiggestellte Hospital geschlossen, weil der Fördervertrag mit der EU ausgelaufen war, das DAK sich wegen Korruptionsvorwürfen auflösen musste und keinerlei Finanzierung vorhanden war. Eine Restbelegschaft des afghanischen Personals blieb jedoch in Chak und arbeitete unentgeltlich weiter, um das Hospital vor dem Ausrauben oder Missbrauch für andere Zwecke zu schützen.
Karla Schefter nutzte ihren Aufenthalt in Deutschland, um einige befreundete Ärzte, die Chak besucht hatten, zur Gründung eines Unterstützervereins zu bewegen und Geld zu spenden, um weiterarbeiten zu können. Dies führte zur Gründung unseres Komitees. Mit ganzen 30.000 DM kehrte Karla Schefter im März 1993 nach Chak zurück. Mit einem Minimum an Personal und Aufwand glückte es, das Hospital ein volles Jahr lang über Wasser zu halten, bis die Europäische Union einem neuen, zweijährigen Finanzierungsvertrag zustimmte, der ab April 1994 in Kraft trat. Zwischenzeitlich hatte sich die französische Organisation MRCA, die in Hyattabad bei Peshawar in Pakistan ein Hospital betrieb und medizinische Lehrgänge durchführte, für Chak-e-Wardak interessiert und der neue Finanzierungsvertrag wurde dann zwischen MRCA und der EU abgeschlossen, wobei unserem Komitee, vertreten durch Karla Schefter als Projektleiterin, die praktische Durchführung anvertraut war.

Im Juli 1995 begann der Bau eines großen Gebäudes, dem neuen Frauen/Kinder-Trakt mit 20 Betten. Wiederum erfolgte die Finanzierung durch die GTZ und die Bauplanung und Durchführung durch VAIT, die Inneneinrichtung wurde durch die Deutsche Botschaft in Islamabad finanziert. Mit der Fertigstellung im November 1996 hatte das Hospital somit die Bettenkapazität von 20 auf 40 verdoppelt (im Jahr 2002 wurde die Kapazität auf 60 Betten aufgestockt). Das Jahr 1995 brachte auch eine entscheidende politische Veränderung: Die Taliban besetzten kampflos das Gebiet, entmachteten die Kommandanten und sammelten die Waffen ein. Für das Hospital änderte sich nicht viel, auch nicht in der Frage der Beschäftigung von Frauen. Die Taliban enthielten sich glücklicherweise jeder Einflussnahme auf die Leitung des Projektes. Inzwischen gehört auch diese brutale Diktatur glücklicherweise der Vergangenheit an.
Ende 2004 verfügte das Hospital über eine Belegschaft von 63 Personen inkl. einer Gruppe von 8 bewaffneten Wächtern. Ein Ultraschallgerät, ein besseres Röntgengerät sowie ein neues EKG-Gerät komplettierten die medizinische Ausrüstung. Der alte Landcruiser wurde durch ein neueres Fahrzeug ersetzt, ein gebrauchtes Ambulanzfahrzeug zur Versorgung der entfernteren Dörfer wurde von der GTZ finanziert, die Büroausstattung durch neuere Computer und Drucker verbessert. Seit 1997 verfügt die Projektleitung mittels eines gespendeten Satellitentelefons über eine direkte Verbindung zur Außenwelt sowie über eine Funkverbindung zum IKRK (Internationales Komitee des Roten Kreuzes) in Kabul (vom IKRK geliefert und installiert). UNICEF erweiterte die Impfstation zum regionalen Impfzentrum mit einer dreiköpfigen Belegschaft (darunter eine Frau), das WFP (World Food Program) liefert regelmäßig Nahrungsmittel, die Ausbildung von Frauen wurde in Zusammenarbeit mit UNICEF und UNDP/CDAP intensiviert (Schwestern, Hebammen, Physiotherapiehelferinnen, Mutter/Kind-Gesundheitserziehung, Impfassistentinnen). Inzwischen errichtet Karla Schefter ein regelrechtes Ausbildungszentrum für Frauen in Chak. Zuschüsse des Auswärtigen Amtes der BRD, von USAID, der Action Medeor, des Päpstl. Kindermissionswerkes und ein erneuter Vertrag mit der EU (1998-2000) sowie zahlreiche Materialspenden trugen entscheidend dazu bei, das Hospital nicht nur zu erhalten sondern es auch beständig weiterentwickeln zu können. Von besonderer Bedeutung ist auch die Unterstützung durch das Gymnasium Oberhaching. Dort werden seit 1991 Jahren regelmäßig Afghanistan Tage zugunsten des Chak Hospitals durchgeführt
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In 1999 konnte mit Mitteln der Deutschen Botschaft in Islamabad eine neue, größere Küche und Bäckerei sowie eine Verbrennungsanlage für medizinische Abfälle, sowie mit Zuschüssen der Stadt Dortmund mehrere Lagerräume errichtet werden. Zusätzlich wurden alle Gebäude mit haltbaren Metalldächern versehen, um die ständigen Wasserschäden der traditionellen Lehmdächer zu vermeiden, das Elektrosystem wurde erneuert und ein Trinkwasser-Tiefbrunnen mit Reservoir gebaut. Im gleichen Jahr erbaute das deutsche Leprahilfswerk LEPCO in unmittelbarer Nähe des Hospitals eine TBKlinik, deren Patienten durch das Hospital mitversorgt werden. Im Jahr 2001 konnte der Neubau zweier Gästehäuser und eines neuen Belegschaftsheims vollendet werden, in 2002 kamen die Erweiterung des Frauentraktes und der Bau von zehn einfachen Wohnhäusern für das medizinische Personal hinzu. Im Jahr 2003 wurde eine zahnärztliche Praxis eingerichtet, die von einer Zahnärztin betrieben wird. Ferner wurde das ganze Gelände zur Sicherheit mit einer Schutzmauer umgeben. Die Zahl der Patienten stieg stetig an, von 14500 in 1994 auf 80.000 in 2007. Insgesamt wurden bis Ende 2007 rd. 550.000 Patienten medizinisch versorgt werden, mehr als 70% davon waren Frauen und Kinder. Zusätzlich werden pro Jahr ca. 80.000 Personen (auch hier überwiegend Frauen und Kinder) geimpft.
Das Chak-e-Wardak Hospital hat sich in seiner langjährigen Geschichte als unverzichtbare Einrichtung der regionalen Gesundheitsversorgung mit überregionaler Ausstrahlung etabliert. Nicht nur ist es nach wie vor das einzige Hospital der Provinz Wardak (400.000 Einwohner), es kommen auch Patienten aus benachbarten Provinzen, aus Kabul und sogar (vereinzelt) aus Herat in West-Afghanistan zur Behandlung nach Chak. Zudem hat sich das Hospital zu einem Zentrum der Ausbildung von Frauen in Heilberufen entwickelt – bis noch vor kurzem eine wirkliche Seltenheit in Afghanistan. Chak-e- Wardak als eines der besten Krankenhäuser des Landes genießt nicht nur bei der Bevölkerung einen ausgezeichneten Ruf, auch andere Hilfsorganisationen sowie UN-Organisationen sprechen nur mit Hochachtung von diesem Projekt. Bei der Feier zum 15. Jubiläums des Hospitals am 3. September 2004 in Chak wurde diese hohe Wertschätzung eindrucksvoll durch die Teilnahme von einigen hundert Gästen bestätigt. Das Hospital hat alle Aktionen im Anti-Terrorkrieg nach dem 11.September 2001 glücklicherweise unbeschadet überstanden, es blieb während der ganzen Zeit geöffnet und arbeitet weiterhin ohne Einschränkungen. Karla Schefter ist – wie auch das Komitee – entschlossen, die seit 1989 erfolgreiche Arbeit für die notleidenden Menschen in diesem noch vielfach zerstörten Land fortzusetzen |